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Monday Column: Fries Before Guys - Warum wir es wert sind, single zu sein

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reitagmorgen: Draußen ist typisches Herbstwetter. Es regnet, es ist grau und die bunten Blätter kreisen im Wind umher. Herrlich, denke ich mir! Mit meinem Kakao in der Hand sitze ich auf der Couch und schaue meine Lieblingsserie. Mein iPhone liegt neben mir und wie automatisch schaue ich aufs Display, als eine Mail eintrudelt. Von dieser Sorte kenne ich viele: „Machen Sie ihn verliebt in 10 Tagen.“, „So erobern sie ihn endlich.“, „Wenn Sie das tun, wird er Ihnen seine Liebe schenken.“. Genervt, aber auch ein bisschen belächelnd, drücke ich die Mail weg. Ich schweife ab, in eine Zeit, die hinter mir liegt. In eine Zeit, in der ich tatsächlich Beziehungsratgeber gelesen und diesen Newsletter abonniert habe. Heute lächle ich darüber, was in solchen Mails enthalten ist oder bringe meine Augen bestens in Form, da ich mir ein automatisches Augenverdrehen nicht verkneifen kann. Früher habe ich das alles wahnsinnig ernstgenommen. Ich suchte nach Wegen, um alles zu retten. Ich grübelte; stundenlang, tagelang, nächtelang. Vor Verzweiflung heulte ich mir die Augen aus dem Kopf und verstand nicht, warum plötzlich alles anders war. Ich wollte nicht aufgeben! Dies stand für mich nicht zur Option. Als ich allerdings versuchte, diese Liebe zu retten, wurde mir immer klarer, dass ich dieses Drama nicht mehr lange aushalten würde. Ich würde krank werden, mich selber kaputtmachen, dachte ich. Ich fühlte mich irgendwann so fertig. Meine Denkweisen änderten sich und ich sah ein, dass ich mehr investierte und von meinen Kräften abgab, als ich es von der anderen Seite – damals nannte ich ihn meine bessere Hälfte – erwarten konnte. Erwartete ich zu viel? Sind ein bisschen Zeit und Kraft zu viel verlangt? Würde ich diese Frage in der heutigen Zeit mir selber stellen, würde ich sie bejahen. Denn ich bin an einem Punkt angekommen, an dem mir diese Zeit und Kraft zu kostbar ist, um sie nochmal zu verschwenden. Es ärgert mich, was passiert ist bzw. wie es passiert ist. Manchmal macht es mich sogar traurig. Schließlich gab es ja auch schöne Zeiten, als man sich gegenseitig umeinander gekümmert hat. Doch es kann nicht nur eine einzige Person geben, die um alles kämpft. Ich merkte irgendwann, dass ich nicht mehr ich selber war. Ich verlor mich Stück für Stück selbst. Was ich manchmal für ein Mist gemacht habe. Ich kann es im Nachhinein gar nicht glauben. Ich habe beispielsweise aufgehört, Sachen zu essen, die mir schmecken, z.B. Kuchen. Ich wollte total viel abnehmen, super schlank und trainiert sein. Aber nicht weil es mich glücklich machte, sondern für diesen Mann. Verrückt! Was ist aus der starken, glücklichen Frau geworden, die sich durch all den Mist, den sie schon erlebt hat, nicht mehr unterbuttern lässt? Vorerst kamen ganz verschiedene Etappen. Ich wollte aufgeben, da ich keine Lust mehr auf das Theater hatte, dann konnte ich das aber vorerst nicht, weil es auch so viel Schönes gab, aber irgendwann war bei mir das Maß voll! Ich hatte mich schon einige Wochen zuvor eher nichtmerkend innerlich von ihm gelöst und plötzlich war alles ganz einfach. Ich sagte: Stopp! So geht’s nicht weiter! Ich habe was besseres verdient! Ganz plötzlich tat es gar nicht mehr weh. Ich wurde kalt und konzentrierte mich wieder auf die schönen Seiten meines Lebens. Schließlich habe ich es nicht nötig, auf die Liebe und Aufmerksamkeit von jemandem zu warten. Das hat niemand nötig. Wir müssen niemandem hinterherlaufen. Wenn ich darüber nachdenke, mit wie viel Kraft und Anstrengung das alles verbunden ist, dann wird mir übel und dann habe ich automatisch keine Lust mehr, nochmal zu lieben. Ich weiß nicht, ob ich das nochmal könnte: Meine Freiheit aufgeben, mein Vertrauen schenken, meine Liebe einfach so geben. Für mich existiert dieses Ebenbild eines perfekt glücklichen Pärchens nicht, da ich es nicht kennengelernt habe. Vielleicht gibt es das irgendwo, aber ich kenne es jedenfalls nicht. Zurzeit schätze ich meine eigene Gesellschaft mehr, als ich die eines Mannes schätzen könnte. Ich liebe meine Freiheit! Durch diese schlechten Erfahrungen bin ich so sehr gewachsen und habe eine Menge gelernt.

 

„Für mich existiert dieses Ebenbild eines

perfekt

glücklichen Pärchens nicht.“

 

Ich habe beispielsweise eine noch bessere Menschenkenntnis entwickelt. Ich habe diese Gabe ja schon immer, aber das hat sich durch diese Zeit nochmal deutlich intensiviert. Ich kann Lügen wahnsinnig schnell durchschauen – und das liegt nicht nur an Misstrauen, sondern bestätigt sich dann meistens auch – und ich habe gelernt, was ich wert bin. Ich finde, das ist ein sehr wichtiger Aspekt, den wir alle sehr ernstnehmen sollten. Wir sollten uns niemals so fühlen, als wären wir weniger wert als jemand anderes. Das ist Quatsch! Deshalb hat es auch keine Frau nötig, einem Mann hinterherzulaufen. Außerdem habe ich gelernt, dass ich mich nicht mehr erklären muss. Auch das habe ich nicht nötig. Als ich jünger war, hatte ich manchmal richtig Panik, wenn ich single war. Mir wurde dieses Bild vermittelt, dass es so etwas nicht wirklich geben kann und dass das nicht normal ist. Je älter ich wurde, desto mehr merkte ich, dass man ausgeschlossener war, wenn man keinen Freund hatte. Die Bemerkungen von Verwandten und Freunden waren das schlimmste. Singles sind ständigen Rechtfertigungen ausgesetzt, wie auch schon Marlene Teschner im Zeit Magazin in ihrem Artikel „Eine Frau ohne Mann, ist wie ein Mann ohne Penis“ schrieb. Man wird belächelt, bemitleidend angesehen und mit den Worten „Du findest auch noch den Richtigen!“ mächtig getröstet. Was für ein Trost! Ich darf mich jahrelang mit dem Richtigen nervlich abmühen und ihm die Socken hinterhertragen. Welch Freude! Mit Bezeichnungen wie Der Richtige oder Hochzeit – Der schönste Tag im Leben, habe ich so meine Probleme. Ich sehe das einfach nicht so, das muss ich ehrlich sagen. Ich finde das ziemlich klischeehaft! Und nur weil es für viele Glück bedeutet zu heiraten, muss das ja nicht für alle zutreffen. Aus dem Grund finde ich diese bemitleidende Art, die man gegenüber Singles anbringt, ziemlich unverschämt. Man unterstellt ihnen regelrecht, dass sie unglücklich sind. Man sagt über sie, dass sie sich schrecklich einsam fühlen und dass sie vermutlich wie eine alte verstaubte Jungfer leben. Widerlegen sie das, glaubt man ihnen nicht und wirft ihnen vor, dass sie sich nur rechtfertigen wollen. Aber das ist meiner Meinung genau das, was sie nicht wollen. Es ist ja nicht so – auch wenn das anscheinend viele denken – dass Singles ihr Leben rechtfertigen müssen. Ich kann von mir sagen: Ich will einfach nur meine Ruhe!

 

„Hochzeit – Der schönste Tag im Leben?

Einmal Prinzessin sein?

Nein, bitte nicht!“

 

Ich finde es schlimm, wie manche aus dem Familien- oder Freundeskreis über das Singleleben denken. Sowas schönes haben die wahrscheinlich noch nicht erlebt. Vor ein paar Monaten war ich ja doch sehr darüber schockiert und sprachlos, was mir da passiert ist. Ich war mit Personen aus meinem Bekanntenkreis essen und da wollte mich jemand einladen. Erst freute ich mich darüber, weil ich absolut nicht erwartete, was danach kam: Die Person sagte bemitleidend und mich wahrscheinlich trösten wollend, dass ich ja sonst nichts im Leben hätte. Hallo?! Nein, ich habe absolut nichts im Leben! Ich bin nur frei, führe ein erfülltes Leben und erfülle mir generell meine ganzen Wünsche, wenn es möglich ist. Aber…ich habe natürlich nichts im Leben! Ich bin nicht einsam und ich arbeite Tag für Tag an einem schönen Leben, das ich auch zukünftig noch gerne leben möchte. Ich habe so viel – und ich spreche hier selbstverständlich nicht nur von materiellem Wohlstand – und ich bin dankbar dafür. Ich möchte dieses Mitleid nicht! Und es macht mich wütend, dass es sich manche herausnehmen und meinen, jemandem so etwas geben zu müssen. Ich finde das schon ziemlich anmaßend. Was ist denn los auf dieser Welt? Man darf wohl alles sein  – geschieden, zig mal verheiratet, seinen Partner hintergehend, sich durch alle Betten schlafend – aber nur nicht single?! Es ist doch nicht so, dass eine Frau unvollständig ist, weil sie keinen Partner hat. Ganz im Gegenteil! In vielen der Fälle behält sie all ihre frischen Nerven. Ich für meinen Teil kann auch sagen, dass ich meine Ansprüche nicht nach unten, sondern sogar nach oben geschraubt habe. Ich werde niemals wieder den gravierenden Fehler tun und mit jemandem zusammen sein, nur um dem typischen Gesellschaftsbild zu entsprechen. Zum Vergleich: Ich gehe auch nicht in die Chanel- Boutique, um mir endlich die Flap Bag (mein Traum!!!) zu gönnen, aber weil die gerade nicht vorhanden ist, gehe ich in den Billigladen und hole mir ein Fake (Niemals!!!). So unglücklich möchte ich nicht sein und so verzweifelt könnte ich auch niemals sein. By the way: Ich genieße es total, mir einfach das zu kaufen, was ich gern möchte. Ich hätte keine Lust, mich mit einem Mann bei jedem Stück zu streiten, das ich mir gönnen möchte. Ich liebe Designerstücke und das könnte niemand ändern. Deshalb klicke ich die Mail weg und browse weiter durchs Internet, um mir mein diesjähriges Geburtstagsgeschenk from me to me with love auszusuchen und meiner derzeitigen großen Liebe nachzugehen: Shoppen!

 

 

Lets´s love ourselves!