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Monday Column: Hello 2019! - Oder das Ende einer Achterbahnfahrt

 

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or exakt einem Jahr war alles noch ganz anders. Ich genoss die Silvesternacht in vollen Zügen, während ich meinen teuren Champagner trank und schwor mir, nicht auf den Zug der Neujahrsvorsätze aufzuspringen. Ich war immer der Meinung, dass man jederzeit damit anfangen kann etwas zu ändern, wenn man das möchte. Völlig unabhängig davon sei, ob nun ein neues Jahr anfängt oder nicht. Hat sich meine Meinung diesbezüglich geändert? Nein! Trotzdem habe ich nun Vorsätze gefasst, die allerdings relativ wahllos auf diese Zeit des Jahres gefallen sind. Ich werde also ein bisschen klischeehaft sein und im neuen Jahr anfangen bzw. damit weitermachen, mich zu bessern. Das ist bitter nötig!

 

Ich möchte nicht sagen, dass ich eine schlechte Person bin. Aber ich habe in den letzten Jahren Eigenschaften entwickelt, die mir auf die Nerven gehen, die bedenklich sind und die sogar meine Gesundheit gefährden könnten, da sie so belastend sind. Ich möchte auch nicht sagen, dass das Jahr 2018 ein negatives war. Eher im Gegenteil! Dieses Jahr hat mich so viel gelehrt, alleine schon in diesem letzten Monat. Als ich letztes Silvester angestoßen hatte und die Uhr zwölf schlug, konnte ich nicht ahnen, welche Turbulenzen 2018 bereithalten würde. Ich hoffte auf ein ruhiges Jahr. Ich dachte sogar, irgendwie angekommen zu sein. Ganz schön naiv, was? Könnte man nicht sagen, dass wir immer auf der Reise sind und dass das Leben sonst nicht wirklich weitergehen könnte?

 

Nach Silvester fiel ich wie in eine Art Loch. Ich kann mich noch ziemlich gut daran erinnern. Plötzlich war diese ganze Positivität verschwunden und ich fing an, alles infrage zu stellen. Mein ganzes Leben war nicht mehr im Gleichgewicht. Es fehlte etwas gravierendes, aber ich wusste einfach nicht, was es war. Nachts schlief ich nicht mehr, ich war nur noch müde. An diese eine Nacht vom zweiten zum dritten Januartag kann ich mich genau erinnern. Am nächsten Tag stand wieder die Arbeit an und ich weiß noch, wie ich mich wahnsinnig schwertat. Die ganze Nacht hatte ich mich hin und her gewälzt und lag fünf Stunden wach, obwohl ich so müde war. Ich versuchte es mit Musik, ich versuchte es mit alten Verbotene Liebe – Folgen, nichts half. Ich wurde sogar noch melancholischer und wünschte mich in eine lang vergangene Zeit zurück. (Früher war´s halt wirklich irgendwie besser. 😉) Am Morgen wollte ich nicht aufstehen. Es war so als wäre ich von einer Traumwelt, die es eigentlich gar nicht gab, mitten in die harte Realität gecrasht. Ich fühlte mich träge und wäre am liebsten nur noch im Bett geblieben. Ich verstand es nicht und ich suchte nach einer Lösung für das Problem. Was war plötzlich anders als vor Weihnachten und Silvester? So schlimm hatte ich das noch nie erlebt. Ich dachte darüber nach wegzuziehen, meine Arbeit zu beenden, alles auf den Kopf zu stellen. Vielleicht war ich übergeschnappt, vielleicht wollte ich wegrennen, vielleicht fehlte mir plötzlich Geborgenheit, die vorher noch da war. Ganz genau kann ich es bis heute nicht sagen, aber der letzte Punkt war wohl der springende, wie sich im Laufe des Jahres herausstellen sollte. Damals entschied ich mich dazu, mich einfach zusammenzureißen und so ging es irgendwie weiter. Mit der Zeit ging es mir besser, aber es gab immer noch einen Knoten, der platzen sollte. Doch dann gab es noch ein Ereignis, welches mich ziemlich aus der Bahn geworfen hatte. In meiner Familie gab es einen Autounfall. Eine mir sehr nahestehende Person war betroffen, aber ich danke Gott, dass es sein Leben nicht gravierend gefährdet hat. Trotzdem war es eine schwere Zeit. Wir waren alle ziemlich fertig und fassungslos. Dazu kam auch noch, dass es diesbezüglich Shitstorms im Internet gab. Zum Glück hält unsere Familie in schweren Zeiten zusammen, sodass es leichter war, alles zu verarbeiten. Für mich war es lange Zeit schwer, das überhaupt zu fassen. Man denkt ja manchmal, sowas passiert immer nur den anderen und ist völlig fern von einem selbst. Ich konnte nicht glauben, dass das geschehen war. Ich weiß auch noch genau, welche Schwere in diesem Tag lag. Das spürte ich schon, bevor das überhaupt passiert war. Und kurz bevor ich diesen einen Anruf bekam, schrieb ich einen Post darüber, wie kostbar Zeit eigentlich ist. Schon ein bisschen ironisch, was? Aus all dem zog ich eine ganz wichtige Lehre: Dass Zeit wahnsinnig kostbar ist, ist nicht nur eine Floskel. Es ist ein enorm wichtiger Aspekt, der mich dazu bewegte, weiter an dem Knoten zu arbeiten, der doch zu lösen sein musste.

 

Ich war diejenige, die ihn platzen ließ, auch wenn es bis zum Sommer gedauert hatte. Im November schrieb ich darüber ansatzweise sogar eine Kolumne. Es ging um einen Mann. Ich fühlte mich nicht mehr geschätzt, ich fühlte mich belogen und fing an, mich von ihm zu lösen. Es reichte mir einfach! Und das war der Schlüssel zum Beginn eines besseren Lebens. Nach dem schweren Start ging es schließlich bergauf und die zweite Hälfte des Jahres wurde viel schöner. Ich erlebte z.B. einen tollen Sommer.

 

Es ist aber natürlich nicht die Lösung, andere für das eigene Glück verantwortlich zu machen. Was mir sehr half, war, dass ich meine ganze Mentalität ins Positive umgestellt habe. Ich hatte es einfach satt zu grübeln. Ich habe für mich einen Grundsatz entwickelt: Ich tue nur noch das, was sich für mich richtig anfühlt. Dabei lasse ich mich weder stressen noch bedrängen. Das ist gar nicht so leicht, um ehrlich zu sein. Vor allem dann nicht, wenn andere Personen immer meinen über alles jammern zu müssen, über jeden zu lästern und zu meckern und meinen, Negativität verbreiten zu müssen. Das ist mir manchmal echt zu viel. Einer meiner Vorsätze ist es, meine Positivität weiter zu steigern. Ich neige nämlich dazu, dass mich ein kleiner negativer Funke, der aus dem Nichts auftaucht, dazu veranlasst, Panik zu bekommen. Es fügt sich ein grundloses negatives Bild zusammen. Ich habe schon so viel Schönes zerstört und mir Mist zusammengegrübelt, der eigentlich gar nicht so ist. Es gäbe in dem Sinne einiges, das ich anders machen würde. Viele Interpretationen von mir stimmen zwar, wenn ich mich hereinfühle, aber dieses Hereinsteigern in Sinnloses ist so anstrengend. Ich muss noch ganz schön beißen, um diese schlechte Eigenschaft loszuwerden. Mir ist es einfach sehr wichtig, meine Gesundheit zu schützen und dabei spielt die Mentalität eine bedeutende Rolle. Ich bin schon mal ernsthaft krank geworden, weil mir der Stress und der emotionale Druck über den Kopf gewachsen sind und ich möchte nicht, dass sich das wiederholt. Aus dem gleichen Grund und um mich in meiner Haut wohler zu fühlen, habe ich auch den zugegeben etwas klischeehaften Vorsatz gefasst, wieder regelmäßig Sport zu machen und ins Fitnessstudio zu gehen. Ich bin schon mal so weit, dass ich mir neue Sportklamotten gekauft habe. 😉

 

Eine sehr wichtige Sache, die ich 2018 außerdem endgültig gelernt habe, ist, die anderen einfach reden zu lassen. Ich habe dieses Jahr viele Sachen über mich erfahren, die ich selbst noch nicht wusste (Stichpunkt Gerüchteküche) und ich wurde beispielsweise oft als arrogant, als Bonze, als zickig usw. tituliert. Inzwischen ist mir das wirklich egal. Meinetwegen sollen sie alle reden. Hauptsache ich bin glücklich! Es ist ja völlig egal, was man tut, denn die Leute finden immer einen Grund zum Lästern. Mir soll´s recht sein! Ich werde anderen Personen sowieso nicht mehr hinterlaufen. Ich habe denjenigen, die dieses Jahr aus meinem Leben treten und mich schlecht behandeln wollten, mit größtem Vergnügen die Tür gezeigt. Ich habe es weder nötig eine zweite Wahl zu sein noch schlecht behandelt zu werden. Das sollten wir uns alle klar machen, denn sowas hat niemand nötig, der gut und respektvoll zu anderen ist. Ich habe erkannt, auf wen ich mich wirklich verlassen kann und auf wen nicht. Es sind sehr wenige, die wirklich ehrlich zu einem sind, aber diese Menschen sind so wertvoll und unersetzbar.

 

 

Und heute? Heute Nacht werde ich wieder meinen teuren Champagner trinken, da ich das Leben genießen will. Von außen könnte man vielleicht sagen, dass sich nichts geändert hat, aber innerlich hat sich eine Menge verändert. Alles ist anders als vor einem Jahr. Als Autorin und Schreibbegeisterte nehme ich jedes Jahr gerne das Beispiel mit dem Buch mit den 365 leeren Seiten. Dieses werde ich morgen aufschlagen und wieder ein ganz neues Kapitel beginnen.  

Ich wünsche euch ein frohes, glückliches & gesundes neues Jahr!

Lasst es krachen!